Schreiben / Manifestiert / Gedanken / Des verworrenen / Kaiserreichs / In Zeiten / Der Flucht.


Blog von Holger Vos.

Sonntag, 19. Juli 2026

Zwei Frauen, ein Falke

"Das bunte Volk hört einen Falkenschrei.
Das Tier schnellt durch den Himmel,
im Blauen oberhalb der Stadt.
Es wird sich hier schon bald entladen,
das Zeitgewitter.
Der Falke flieht in Angst.
Doch keine Augen hat man für das schuldlos‘
Wesen.
Zwei Frauen gehen auf dem Weg.
So schön sind sie.
Ein strahlend‘ Purpur, edle Steine schmücken es.
Zwei Sonnentupfer auf der grünen Leinwand,
die größte Künstlerin hat sie gemalt.

So schön sind beide Frauen.
Sie schreiten feierlich zum Dom.
Und ihre Augen geradeaus,
die Stirn der Einen liegt in Falten,
ein blasser Strich die Lippen von der Anderen.
Und ihr Gefolge wirft sich hasserfüllte Blicke zu."

Das Zitat stammt aus "Zwei Frauen, ein Falke", einer lyrischen Nacherzählung eines Teils der Nibelungensage, zu finden in meiner Geschichtensammlung "Das Dunkel und die Einsamkeit", veröffentlicht im Rediroma-Verlag Anfang des Jahres.


 

Samstag, 4. Juli 2026

Das Martyrium der Sofia

 
Sofia "begriff, dass jedes Leben mit einem Tod an dessen Ende beglichen wird, und dass dies das grundlegende Gesetz des Seins ist. Sie erkannte, dass alle Dinge und Lebewesen den Gesetzmäßigkeiten des Seins gehorchen müssen, ja, dass selbst die Menschen nur in deren Rahmen leben und arbeiten und erforschen können. Sie zeichnete den Kreislauf der Stoffe auf der Welt und im Lebewesen nach. Sie studierte die Sterne und Wege der Wolken. Im Kerzenschein, bei dunkler Nacht und in aller Stille, öffnete sie die Toten, um mehr über den Aufbau des Körpers und die Entstehung von Krankheiten in Erfahrung zu bringen."

(aus "Das Martyrium der Sofia", erschienen Anfang 2026 in meiner Sammlung "Das Dunkel und die Einsamkeit", Rediroma-Verlag)

Zwei Frauen, ein Falke

"Das bunte Volk hört einen Falkenschrei. Das Tier schnellt durch den Himmel, im Blauen oberhalb der Stadt. Es wird sich hier schon bald...