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Blog von Holger Vos.

Sonntag, 6. Oktober 2024

Aus dem Archiv: Die Vergänglichkeit der Götter von Hildebrant und Hadubrant

 


Eine alte Geschichte, die wir schon lange kennen: Ein Vater und sein Sohn, einander nicht bekannt, begegnen einander auf dem Schlachtfeld.
Der Vater, das ist Hildebrant; weitgereist ist er und erfahren im Handwerk des Krieges. Früh trat der Tod in sein Leben, und er lernte die Lieder von den Göttern, und später lehrte er sie Dietrich, dem er lange zur Seite stand. Schartig ist sein Schwert und faltig seine schlachtgegerbte Haut. Fest dringen seine Stiefel in den schlammigen Boden. Seine linke Hand hält mühelos den Schild, und die Schultern beugen sich noch nicht unter der Rüstung. Seine Augen leuchten von Mut und Trauer unter grauen, buschigen Brauen hervor. In leiser Ahnung mustert er sein Gegenüber.
Der Sohn, das ist Hadubrant; jung und kühn fliegt sein Schwert durch die Schlacht. Hochgewachsen ist er, und schön von Gestalt, wie einst sein Vater, doch den kennt er nicht, hat ihn nie gesehen. Lange kann er dem prüfenden Blick des anderen nicht widerstehen: Er schaut an Hildebrant vorbei, zum Feind, dann nach hinten, sich vergewissernd, zu seinen Männern. Zwei Heere stehen da, bereit für Tod und Ruhm; zweihundert Schritte liegen zwischen ihnen, und in der Mitte deren Anführer, die ihr Eisen zurechtrücken und ihre Pferde im Zaum halten. Das angespannte Schweigen wird durchbrochen vom Aufeinanderprallen des Metalls und vom Schnaufen der Tiere.
Der Vater zögert, wie nicht oft in seinem Leben. Quälend die Frage: Könnte er es sein? Er spürt die misstrauische Feindseligkeit des anderen; der Ungestüme könnte jeden Moment sein Schwert fassen und ihn erschlagen. Langsam schleicht die eigene Hand zum Schwert. Er muss ihm zuvorkommen, aber dann würde er womöglich seinen Sohn töten. Und wir wissen, dass er es tun wird, tun muss, wie ein dunkles Schicksal es ihm gebietet. Wer siegt, wenn der Vater den Sohn tötet? Zweimal hat Hadubrant seinen Vater verloren, und zweimal Hildebrant seinen Sohn.
Odin meint einen neuen Krieger für die letzte Schlacht nach der Ewigkeit gewonnen zu haben – weiß er doch noch nicht, dass die Götter einer Welt, in der ein Vater den Sohn tötet, nicht ewig bestehen können.

(c) HV

Mittwoch, 1. Mai 2024

Die Letzten

 Anfang des Jahres ist meine fragmentarische Novelle "Die Letzten" erschienen. - Der Klappentext:

"Die Stimmen der Letzten hallen durch das Dunkel. Sie berichten von ihrem Leben und ihrem Tod in einer Welt, die am Abgrund steht. Jemand hört die Geschichten und erzählt ihre selbst. Jede Stimme fügt etwas zum Ganzen hinzu: Etwas Schreckliches muss passiert sein."




Montag, 30. Januar 2023

Corvus

 

Dies ist eine Illustration zu meiner Geschichte "Corvus", erstellt mit der KI Dall-e 2.

Donnerstag, 14. Juli 2022

Aus dem Archiv: Die Geschichte der Engel

Im Anfang war Sein Wort, Wort des Seins. Und im Heiligtum, das die Welt ist, erschuf Er Seine Ersten Kinder: Eine Schar treuer Wesen, Streiter des Lichts, als es die Wörter gut und böse, Licht und Dunkel, noch nicht gab. Ihr Blick: ungeblendet in die Sonne gerichtet; ihre Füße: fest wie Säulen auf dem schwarzen Fundament der Welt, wohin kein Sonnenstrahl je gelangt. Ungezählte Millionen Jahre. Die Zweitgeborenen sehen das Licht und benennen die Dinge – alle Dinge. Ihr Wille zum Sein kennt keine Grenzen. Seine Wächter, Menschenbeschützer, Wortverkünder, bewahren Ihn in der Welt und die Zweiten vor ihrer Gier. Hass und Liebe, Leid und Wonne, wechseln unbeirrbar wie Gezeiten: unerträglich für reines Licht wie sie. Ein Tränenmeer wächst heran und erstickt Sein Wort, das sie überbringen sollen. Und so lernen die Engel Enttäuschung und Wut und verzehren sich darin. Schwebend zwischen Licht, das sie vergessen, und dem Dunkel, das die Zweiten kennen, weinen sie, und am Ende wird der einstige Glanz der Engel, zuletzt noch, träge, sich in die Dunkelheit verirren und sie kurz und still erhellen, hinein in einen neuen Anfang. Immer wieder.

Freitag, 1. April 2022

Lyrik des Jahres 2021

Der Eastword-Verlag hat am 21. März, dem Welttag der Poesie, eine Sammlung zeitgenössischer Lyrik herausgebracht, und mich freut sehr, dass ich mit einigen meiner Gedichte dabei sein darf. 


Sonntag, 12. Dezember 2021

Smartstorys

Der Smartstorys-Verlag - in Österreich ansässig - hat sich auf Kurzgeschichten spezialisiert, die für die "Lektüre zwischendurch" via Smartphone oder Tablet geeignet sind. Interessant ist, dass man keine bestimmten Texte auswählen kann, sondern einen Zugang zu den mittlerweile über 800 Geschichten erwerben muss. Welche Geschichten angezeigt werden, entscheidet der Zufall. Damit kommt man auch mal mit Texte und Genres in Berührung, die man selbst womöglich nicht ausgewählt hätte. Dies kann laut Verlag den Horizont erweitern. 

Auch zwei meiner Kürzestgeschichten haben es ins Smartstorys-Angebot geschafft: "Die Größe des Lebens" und "Drei Sagen". Gerne mal reinschauen :-)

Zwei Frauen, ein Falke

"Das bunte Volk hört einen Falkenschrei. Das Tier schnellt durch den Himmel, im Blauen oberhalb der Stadt. Es wird sich hier schon bald...